Bossa Nova – der neuer Trend aus den späten fünfziger Jahren

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Bossa Nova – der neuer Trend aus den späten fünfziger Jahren

Seit der Bossa Nova in den späten fünfziger Jahren an den Stränden und in den Clubs von Rio de Janeiro entstand, kann die Welt sich dem Reiz seiner sanften Melodien und verführerischen Rhythmen nicht entziehen. Er ist zum Inbegriff brasilianischen Lebensgefühls geworden.
Und während frühe Songs wie „The Girl from Ipanema“ und „Desafinado“ längst moderne Klassiker geworden sind, die im Repertoire keiner gehobenen Tanzband fehlen, ist der Bossa Nova immer lebendig geblieben und wird von nachwachsenden Generationen von Musikern laufend erneuert.

Der Bossa Nova entstand auch, weil der Samba zunehmend durch die kommerzielle Unterhaltungsindustrie vereinnahmt worden war und dringend einer Auffrischung bedurfte. Die Rettung kam aber nicht aus der Heimat des Samba, den Favelas von Rio, wo die Armen leben.
Der neue Sound war ein Produkt der schicken Viertel an der Copacabana. Er verkörpert auch die Aufbruchsstimmung und den Wirtschaftsaufschwung, die damals das Land erfassten. Samba und Bossa Nova sind Zwillinge, in deren Zusammenspiel sich Tradition und Moderne sowie die ganze Bandbreite des sozialen Lebens in Brasilien widerspiegeln.

Bossa Nova heisst so etwas wie „neuer Trend“. Sein Stil kommt mit weniger Percusssion als der Samba aus, und er ist luftiger, eleganter und harmonisch komplexer. Wichtige Wurzeln hat er im Jazz, und es waren auch Jazzmusiker wie Charlie Byrd und Stan Getz, die ihn in den USA und anderswo populär machten. Eine auffällige Besonderheit des Bossa Nova ist die Gitarrenbegleitung, die von einem geheimnisumwobenen Einzelgänger namens João Gilberto eingeführt wurde.
Gilbertos sehnsuchtsvoller Gesang und die Raffinesse seines Saitenspiels sind unübertroffen. Gilberto ist neben Antônio Carlos Jobim die wahre Gründungsgestalt des Bossa Nova-Sounds, den er vor sechzig Jahren entwickelte. Um ihn zur Perfektion voranzutreiben, soll er sich damals monatelang in ein Badezimmer zurückgezogen haben. Heute verlässt der mittlerweile Achtzigjährige kaum noch seine Wohnung, wo er angeblich noch immer zehn Stunden am Tag für sich allein Gitarre spielt.

Aber nicht nur musikalisch hob der Bossa Nova die populäre Musik in Brasilien auf ein neues Niveau, auch seine Texte mit ihrer Mischung aus Poesie und Umgangssprache, aus Lebensfreude und Melancholie betraten Neuland. Oft handelt es sich dabei um spontane Skizzen aus dem Alltag wie bei „The Girl from Ipanema“. Vinicius de Moraes schrieb den Text, nachdem sein Songwriting-Partner Jobim sich in ein schönes Mädchen verliebt hatte, das die beiden durch das Fenster einer Bar am Ipanema-Strand erblickt hatten.
Nach dem Militärputsch von 1964 und dem Anwachsen von Spannungen in Brasilien verloren die Texte des Bossa Nova aber ihre Unbeschwertheit. Einige Musiker emigrierten in die USA und nahmen oftmals in ihren Songs Bezug auf die soziale und politische Lage in ihrer Heimat. Von hier aus nahm der Bossa Nova auch regelmässig Einfluss auf verschiedene Spielarten der Popmusik, wie der Latino-Sound von Steely Dan („Do It Again“) und der coole Soul von Sade („Smooth Operator“) deutlich machen.

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One Response to “Bossa Nova – der neuer Trend aus den späten fünfziger Jahren”

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